Die Idee eines Turnvereins in Heessen gärte schon lange in den Köpfen der jungen Leute, aber wie sollte man es anstellen. In der "Weißenburg" gab es leider keinen Saal, in dem man die Turngeräte hätte aufstellen können. Es gab nur die Gastwirtschaft Schiefenhövel (heute Kohers) und die Gaststätte Meier mitten im Dorf an der Herrenstraße, die einen Saal hatten.
Schiefenhoevel "Karl Baumjohann, der schon 10 Jahre ältere Turner, der schon in der Eintracht turnte, war unser Häuptling und er hat gesprochen: Sonntag wandern wir nach dem Dorf Walstedde zur Speckbirnenkirmes und nachher wird die Gründung des Turnvereins beschlossen."

 

In der Gaststätte Northoff in Walstedde treffen sich die jungen Sportler, nachdem sie über die Kirmes gebummelt waren. Es waren Karl Baumjohann, Karl Edelkötter, Heinrich Edelkötter, Johann Schulze, Josef Kemper, Heinrich Kemper, Fritz Werremeier, Johann Werremeier, Hermann Heinekamp, Fritz Biermann, Hermann Rabe, Wilhelm Rabe, Konrad Leineweber, Karl Winter, Fritz Knicker, Heinrich Körschen, Stefan Keiter, Bernhard Keiter, Heinrich Strickmann, Heinrich Funnekötter, Heinrich Lube, Anton Wintergerste, Theodor Wintergerste, Gerhard Brüggemann, Heinrich Bauschulte, Kaspar Austenfeld, Fritz Häger, Heinrich Nillies, Wilhelm Erkling, Heinrich Sorig, Bernhard Sorig, Josef Sorig, Gerhard Lepper, Bernhard Damberg, Bernhard Nillies, Bernhard Hölter, Josef Meinhold, Norbert Blumenthal.

"Hier wurde auch sofort beschlossen, zwei Mann zu wählen, die zu unserer Dorfgemeinschaft aufbrechen sollten um das Vereinslokal festzumachen. Die Wahl fiel einstimmig auf Heinrich Nillies und Bernhard Hölter, als Sprecher sollte Hölter verhandeln mit Franz Schiefenhövel, hier war ein schöner Saal vorhanden. Falls wir nicht mit Schiefenhövel rechnen konnten, sollten wir bei Meyer in der Herrenstraße vorsprechen, andere Säle gab es nicht. Also los ging die Post, wir wurden auf die Reise geschickt, weil wir als einzige Räder hatten. In ungefähr 25 Minuten hatten wir unser Ziel erreicht, unsere Fahrräder hatten wir im Hof untergestellt. Wir trafen Schiefenhövel in seiner Wirtschaft und baten ihn zur Verhandlung mit in sein Zimmer zu gehen, was er auch akzeptierte. Hier hatte Bernhard Hölter dann die Verhandlung geführt, aber Schiefenhövel hatte Gründe, die dagegen sprachen, uns aufzunehmen, obwohl er uns hoch und heilig versichert hatte, daß er uns jederzeit aufnehmen würde. Er nannte auch einzelne hochstehende Personen, die ihm vielleicht das Geschäft schmälern könnten, deshalb lehnte er, den Verein aufzunehmen, ab. Es hatten schon Intriganten bei ihm durchblicken lassen, es sei nicht gut für ihn, wenn er die freien deutschen Turner in seinem Lokal unterbrächte. Man hatte einiges durchblicken lassen, daß man sich dann zurückziehen wollte, wenn die Rebellen bei ihm aufgenommen würden. ‚Na', sagte da mein Turnbruder Heinrich Nillies zu mir, ‚das fängt ja gut an'. Wir tranken unser Bier und gingen."

Richtig schwierig wird es für die beiden dann, ‚in der Höhle des Löwen', bei Meyer, vorzusprechen.
"Hier rund um der Stefanuskirche herum waren hauptsächlich die Leute anzutreffen die uns ablehnten und uns auch nicht gut gesinnt waren, hier waren hauptsächlich die Gegensätze anzutreffen. Aber Heinrich Meyer freute sich sehr, dass wir zu ihm kamen. Er hatte gleich ohne Bedingung zugesagt. Hocherfreut, daß wir gerade in diesem Viertel des Dorfes ein freudiges Unterkommen finden sollten, konnten Heinrich und ich es erst gar nicht fassen, wir haben es Meyer natürlich nicht merken lassen."

Noch am selben Tag, abends um 9 Uhr, als die anderen Turnbrüder aus Walstedde angekommen und von Schiefenhövel zu Meyer gelotst worden waren, fand die Gründungsversammlung des Turnvereins statt. Gleich wurde der Vorstand gewählt :
1. Vorsitzender: Josef Meinhold
2. Vorsitzender: Heinrich Körschen
1. Schriftführer: Karl Winter
2. Schriftführer: Hermann Rabe
1. Turnwart: Bernh. Hinnemann
2. Turnwart: Heinrich Edelkötter
1. Gerätewart: Fritz Werremeier
2. Gerätewart: Heinrich Nillies
1. Vereinskassierer: Bernh. Keiter
2. Vereinskassierer: Gerhard Lepper
1. Vorturner: Gerhard Platte
2. Vorturner: Bernh. Hölter
1. Kassenbote: Norbert Blumenthal
2. Kassenbote: Heinrich Funnekötter

Für die jungen Männer vom Sande und der Geist war es ein außerordentlicher Erfolg, ihre Turnstunden mitten im Dorf abhalten zu dürfen, gegen den Widerstand der alteingesessenen dörflichen Hautevolee. Heinrich Hölter bemerkt mit dem Abstand der Jahre dazu:

"Es gehört doch allem Anschein nach von Natur aus dazu, daß die Jugend anders denkt und handelt als die im Augenblick verantwortliche Bevölkerungsgruppe. Das ist doch gut so! Denn auf diese Art bleibt das Leben in Bewegung und wird vor Erstarrung bewahrt. An dieser Feststellung ändert keine Klage etwas, deren Inhalt doch letzten Endes nichts anderes ist als ein Jammern über die gestörte Behaglichkeit des eigenen Lebens."
HoelterGewicht